Arzt oder Heilpraktiker 

Wann zum Heilpraktiker, in welchem Fall zum Arzt?

Bei schweren Krankheiten ist der Gang zum Arzt eine Selbstverständlichkeit. Harmlose Erkrankungen heilen ohne Arzt.

Zwischen beiden Rändern befindet sich ein Überschneidungsbereich, in dem Arzt wie Heilpraktiker wirksam tätig sind. Während der Arzt eher schulmedizinisch arbeitet, behandelt der Heilpraktiker idealerweise eher naturheilkundlich. Im Wettstreit der Methoden besteht eine Herrschaft der Schulmedizin, wenn sie im betreffenden Falle wirksamer als die Naturheilweise ist. Der Heilpraktiker hat die berufliche Aufgabe, diese Unterscheidung vorzunehmen.

Welche Gründe veranlassen kranke Menschen, ihre Heilbehandlung einem Heilpraktiker statt dem Arzt zu übertragen? Immerhin muß der Patient den Heilpraktiker in vielen Fällen aus der eigenen Tasche bezahlen, es sei denn, eine private Krankenversicherung, vielleicht die Beihilfe des Landes oder Bundes treten ein! Abseits des Klischees, daß die Leute in hoffnungslosen Fällen nach jedem Strohhalm, sogar dem Heilpraktiker greifen, scheint es vor allem bei den chronisch Kranken einen gesteigerten Bedarf für den Besuch beim Heilpraktiker zu geben.

Bildet sich hier eine Lücke in der medizinischen Versorgung ab, die von dem Heilpraktiker geschlossen werden soll? Oder hat etwa der Heilpraktiker die besseren Arzneien zur Verfügung? Nimmt er sich eventuell mehr Zeit und gibt dem Kranken das Gefühl, daß man sich besser um ihn kümmert?

Wahrscheinlich hat der Heilpraktiker nicht unbedingt die besseren Arzneien. Erfahrungsgemäß widmet der Heilpraktiker dem Patienten zwar tatsächlich mehr Zeit. Doch verschwindet eine Allergie wegen mehr Sprechzeit? Was ist beim Heilpraktiker anders, daß man ihm zutraut, das zu leisten, was die Schulmedizin nicht leistet?

Der methodische Unterschied

Arzt und Heilpraktiker benutzen unterschiedliche Erkenntnisse, die häufig in gegensätzlichen Methoden gipfeln. Im Ergebnis unterdrückt der Arzt beispielsweise die Abwehr, der Heilpraktiker im Gegenteil steigert sie. Wo der Arzt beispielsweise Wärme empfiehlt, benutzt der Heilpraktiker unter Umständen statt dessen kaltes Wasser. Die Schulmedizin geht gegen Fieber vor, der Heilpraktiker unterstützt Fieber. Während die Medizin gegen Mikroben kämpft, setzt der Heilpraktiker sie für Heilzwecke ein. Diesen Beispielen liegen wesentliche Unterschiede in der Erkenntnis zugrunde: Während der Arzt sich vor allem mit Krankheiten und ihrer Bekämpfung beschäftigt, unterstützt der Heilpraktiker die Gesundheit und handelt für ihre Erhaltung. Deshalb ist Seuchenbekämpfung oder Chirurgie methodisch eine ärztliche Leistung, hingegen Stoffwechselstörungen methodisch vielleicht eher in den Kompetenzbereich des Heilpraktikers fallen.

Fallbeispiel Kopfschmerzen

Nach ordnungsgemäßer Befragung und Untersuchung sei geklärt, daß nicht erhöhter Blutdruck, ein Tumor, ein Stoß oder eine Verletzung, eine Infektion, Vergiftung, Wirbelfehlstellung, Systemerkrankung oder Fehlsichtigkeit vorliegt. 

Im üblichen Fall wird der Arzt ohne viel Untersuchungsaufwand ein Kopfschmerzmittel verordnen und helfen können. Ungeachtet der Tatsache, daß die Krankheitsursache nicht angesprochen wird, beziehen sich Nebeneffekte dieser Arzneibehandlung auf Magen, kleine Bronchien, Knochenmark, Leber und Niere. Vielfach werden sie gar nicht bemerkt und spielen außer bei häufiger oder Daueranwendung vielleicht keine Rolle. Aber bestimmt einem Viertel der Kopfschmerzpatienten ist nicht ausreichend oder nicht dauerhaft geholfen. Ein Teil von ihnen landet letztendlich in der Schmerz- oder Psychotherapie.

Der Heilpraktiker hingegen wird innerhalb seiner ganzheitliche Sichtweise ermitteln, daß der Kranke in unserem Beispiel gewohnheitsmäßig zu wenig getrunken hat, einen schwachen Magen hat und über eine Säurelast im Bindegewebe verfügt, die zum Teil auf den schwachen Magen zurückgeht, wesentlich aber auch auf zu zuckerhaltiger Nahrung beruht. Die Empfehlung wird in dem Fall etwa lauten, morgens nach dem Aufstehen, vor jeder Mahlzeit, ansonsten stündlich, ein Glas Wasser zu trinken - nicht mehr nach 18 Uhr. Außerdem wird er einen bitteren Kräutertee oder Kräuterextrakt verordnen und Empfehlungen zu einer zweckgerechten Ernährung ohne Zucker und ohne Kaffee geben. Er wird darüber hinaus Hinweise zu regelmäßigem, ausreichendem Schlaf geben; über den Vorteil von Abhärtung mit kaltem Wasser und von regelmäßigem Lüften der Wohnräume, um die Abatmung der Kohlensäure und damit die Entsäuerung des Körpers zu unterstützen. Er wird regelmäßige sportliche Betätigung und Bewegung auf den Weg bringen, schließlich den Vorschlag unterbreiten, eine Entschlackungs- oder Fastenkur in Betracht zu ziehen. Im Ergebnis wird der Patient nicht durch Nebenwirkungen an Magen, kleinen Bronchien, Knochenmark, Leber und Niere beansprucht und hat nicht nur die Gewißheit, daß seine Kopfschmerzen der Vergangenheit angehören, sondern auch den Vorteil, daß eine lange Reihe von weiteren Krankheiten, die in der Warteschlange standen, gar nicht auftauchen.

Fallbeispiel Allergie

Der Arzt wird per Allergietest eine Liste von schädlichen Stoffen ermitteln, die es im täglichen Umgang zu vermeiden gilt. Danach verordnet er Antihistaminika, je nach Schwere vielleicht auch Cortison. Binnen einer Viertelstunde sollte das abgehandelt sein.

Der Heilpraktiker hingegen findet im Beispiel durch "Irisdiagnose" individuell eine „rheumatisch-harnsaure Diathese“ auf dem Boden einer „lymphatischen Konstitution“. Ihm fällt im Mund eine umfassende Versorgung mit quecksilberhaltigen Zahnreparaturmaterialien auf, und in der Erscheinung präsentiert sich eine mit kosmetischen Segnungen überpflegte Person, die in ihrer Krankheitsschilderung genau wie ihre Mutter und Großmutter dem verzweifelten Kampf gegen beständig drohendes Anwachsen des Übergewichts viel Raum gibt und sich in allen Erkältungs- und Grippemitteln genau so gut auskennt wie in den Namen aller Antibiotika, die sie schon genommen hat.

Auf dem Wege, die Allergie zu heilen, sollte sie sich also konsequenterweise des Amalgams im Mund entledigen und eine begleitende Arzneiversorgung gegen akute Quecksilberbelastungen erhalten. Sie wird lernen wollen, keinen Zucker mehr zu verzehren und die Erzeugnisse der Fleisch- und Milchwirtschaft mit äußerster Vorsicht und Bedacht zu behandeln, also langfristig tendenziell darauf zu verzichten. Überwiegende Salat- und Vollkorn-Getreidekost mit hohem Frischkostanteil wird ihr zur selbstverständlichen und lieben Gewohnheit. Sie wird den regelmäßigen Ausdauersport lieben lernen, sich in Abhärtung und Schulung des Immunsystems üben und erfreut bemerken, daß ihre Abhängigkeit von Parfum und Gesichtcremes zugunsten eines reinen, natürlichen und gesunden Körpergefühls verschwindet. Wenn sie sich im Verlaufe der Gesundheitsbemühungen sogar noch dem jährlichen Fasten unterzieht und der Heilpraktiker sorgfältig ihr Konstitutionsmittel, ihr „Similimum“, ermittelt und verordnet hatte, darf sie berechtigt hoffen, daß ihr vormaliges Allergieproblem und alles, was gesundheitlich daran hing, bei künftig erfülltem Kinderwunsch nunmehr nicht in die nächste Generation getragen wird.

Fallbeispiel Viruserkrankung

Die ärztliche Behandlung ist in erster Linie auf die Linderung der Beschwerden gerichtet, weil allgemein ein Virus durch Arznei schlecht anzugreifen ist; abgesehen von den neuesten Arzneien, die allerdings noch unverträglich sind und im wesentlichen in schweren Fällen zum Einsatz kommen sollten. Der Arzt empfiehlt also Schmerz-, Entzündungs-, Fieber- und Abschwellungsmittel. In der täglichen Wahrnehmung nimmt die Zahl der Empfehlungen von pflanzlichen und homöopathischen Mittelchen durch Ärzte zu, aber auch von modernen Virustatika.

In der Auffassung der Heilpraktiker ist die gewöhnliche ärztliche Krankheitsunterdrückung eine Ursache für die Entstehung chronischer Krankheiten. Deshalb ist ihm die Symptomunterdrückung auch im Zusammenhang mit der Behandlung von Viruserkrankungen methodenfremd. Er bemüht sich statt dessen um das Immunsystem. Weil es jedoch eigentlich von allen Strukturen des Kranken aufgerichtet wird, also praktisch jedes Funktionssystem des Individuums mit Immunaufgaben vernetzt ist, ergibt sich der therapeutische Schlüssel weder aus dem Virus noch aus der Krankheit, sondern aus den individuellen Krankheitszügen, die sich aus der „Konstitution, Disposition und Diathese“ ergeben. Die Heilreaktion eines Individuums therapeutisch anzusprechen, setzt demnach voraus, die individuellen Anlagen, „Schwächen“ und Krankheitsneigungen eines Menschen und die zugrundeliegenden Bezüge und deren Auswirkungen zu analysieren. Die dazu erforderlichen Heilpraktikermethoden ermöglichen die individuelle Unterscheidung verschiedener Reaktionstypen, die nach Alter, Geschlecht und individueller Anlage unterschiedlich beispielsweise auf Arzneien oder andere therapeutische Reize reagieren. Gerade die Erkenntnis zur individuellen Ansprechbarkeit eines Kranken unterscheidet die Heilpraktikerarbeit wesentlich und systematisch von dem ärztlichen Wirken.

Im Ergebnis könnte der Heilpraktiker eine auf des Kranken Konstitution bezogene Arznei verordnen, dem Wissen einer individuellen Krankheitsneigung folgend einen feuchten Leibwickel anlegen, durch Fußreflexzonentherapie an den individuellen Reaktionszonen spontanen Erholungsschlaf herbeiführen, durch Akupunktur einen individuell gestörten Energiefluß auflösen und dadurch beispielsweise einem gestauten Sekret den Weg nach draußen freimachen. Die Wirkung auf das Virus jedenfalls ist mindestens so groß, wie von einem modernen Virusmedikament, doch ohne Nebenwirkung, weil vom körpereigenen Immunsystem ausgeführt.

Zusammenfassend hängt die Antwort auf die Frage „Arzt oder Heilpraktiker“ unbestritten zunächst davon ab, ob im betreffenden Fall die wissenschaftliche der naturheilkundlichen Methode spürbar überlegen ist, jedoch weniger von der vorliegenden Krankheitsart oder ihrer Schwere. Die Antwort liegt im übrigen - soweit nicht gesetzlich festgelegt - bei dem Patienten, seiner Erwartung und seinem Anspruch an Gründlichkeit und Ursächlichkeit der Behandlung. 

Bei reiflicher Überlegung kann man zu dem Schluß kommen, daß man am besten weder zum Arzt noch zum Heilpraktiker geht, sondern sich zuerst selbst sein eigenes Wissen über das Nötige für seine Gesundheit bewußt macht und es anwendet. Falls die Heilung sich trotzdem verzögert oder erschwert, ist – sofern von Beschwerdenseite vertretbar - der Ansprechpartner vernünftigerweise der Heilpraktiker. Er unterstützt die Heilkräfte auf natürliche Weise, und zwar ohne unerwünschte Nebenwirkungen. Gleichzeitig ist er zur Aufklärung verpflichtet und kompetent, zu erkennen, ob ärztliche Medizin wirksamer ist. In dem Fall überweist er zum Arzt. Neben dem individuellen Gesundheitsgewinn entlastet dieses Vorgehen das Gesundheitssystem und nützt der Volksgesundheit.

Alle Angaben ohne Gewähr. Sie geben eine Meinung wieder.
© Marius Kersten 1985-2018. Alle Rechte vorbehalten.
Stand: 12. April 2018

Naturheilkunde beinhaltet neben Licht, Luft, Wasser, Ernährung und Bewegung auch manuelle Heilverfahren wie Osteopathie und Chiropraktik, auch bekannt als manuelle Medizin. Zur Osteopathie ist anzumerken, daß die Ausübung nur Ärzten und Heilpraktikern mit Vollzulassung gestattet ist. Osteopath ist dabei keine zulässige Berufsbezeichnung für einen Heilpraktiker oder Arzt. Traditionelle Heilpraktiker mit Vollzulassung wenden zudem alte Verfahren wie Klassische Homöopathie und klassische Akupunktur an. Kinder sprechen besonders gut auf Homöopathie an (Kinder-Homöopathie). Weitere typische Therapieformen beim traditionellen Heilpraktiker sind Schröpfen, Baunscheidt, beides Ableitungs- und je nach Ausführung Ausleitungsverfahren, Feldenkrais, eine Bewegungserziehungstherapie, Kneipp, Ernährungstherapie, Phytotherapie, Fasten im engeren Sinne als Heilfasten zur Bindegewebsreinigung, Entschlackung, Gewichtsreduktion, Blutdrucksenkung und Gesundheitsprophylaxe. Rückenschmerzen übrigens gehen selten auf Verschleiß zurück, sondern vor allem auf inneres Organgeschehen, wobei Rheuma und Arthrose immunvermittelte chronisch-degenerative Leiden sind, deren Therapie oft eine Darmsanierung erfordert. Gelenkschmerzen Bioresonanz Colon-Hydrotherapie Allergie Mistel Adjuvante Krebstherapie Ayurveda TCM MMS Krankengymnastik Reha Debra Nelles Nols Erkältung vorbeugen - Immunsystem stärken! Individuelle Ermittlung der Anlageschwächen, Empfehlungen zur Verbesserung des Immunsystems. Erkältungsneigung, Infektanfälligkeit, Rekonvaleszenz, Immunschwäche.